Goldankauf Marin

Wo Gold zu Geld wird

Presseartikel Landwirtschaftliches Wochenblatt

(Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen - Lippe)

Wer Schmuckstücke aus Gold verkaufen will, hat die Qual der Wahl. Viele Aufkäufer buhlen um das Edelmetall. Wie das Geschäft funktioniert und worauf beim Verkaufen zu achten ist, hat uns ein Profi erklärt.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Zahngold zum Juwelier zu tragen und Omas alte Brosche einschmelzen zu lassen? Oder wird der Goldpreis noch weiter steigen?“ Diese Frage hört Hans-Joachim Marin mehrmals täglich. Denn seit der Goldpreis regelmäßig mit neuen „Allzeithochs“ glänzt, spielen immer mehr Menschen mit dem Gedanken, Schmuckstücke zu verkaufen, um von den glänzenden Preisen zu profitieren. Doch außer einem bedächtigen Wiegen des Kopfes und einem verbindlichen Lächeln ist dem professionellen Goldankäufer aus Bückeburg im Landkreis Schaumburg nichts zu entlocken. Zu viele Kapriolen auf dem Goldmarkt hat Marin schon miterlebt. Er weiß genau: „Der Goldpreis wird von spekulativen Geschäften, vom Gefühl der Anleger und der weltweiten Wirtschaftsentwicklung bestimmt. Er ist nicht nüchtern kalkulierbar.“

Verkauf per Post und E-Mail

Vor drei Jahren sattelte Hans-Joachim Marin beruflich um: Vom Handel mit Antiquitäten wechselte er zum An- und Verkauf von Edelmetallen. Der unscheinbare Anbau eines schlichten Wohnhauses dient als Firmensitz. Lediglich die alarm gesicherten Türen und die Videokameras in den Zimmerecken weisen darauf hin, dass hier große Werte bewegt werden. Vier Mitarbeiter sind damit beschäftigt, das tägliche Goldgeschäft abzuwickeln. Zwei Angestellte sitzen den ganzen Tag am Computer, beantworten Anfragen von Verkaufsinteressenten und schreiben Angebote. „80 % unseres Geschäfts läuft per E-Mail, wobei die Ware per Post oder über ein Werttransportunternehmen zu uns gelangt. Den Rest kaufe ich bar an“, erläutert Hans-Joachim Marin. Nicht nur Privatleute, die aus finanziellen Überlegungen Schmuckstücke verkaufen, gehören zu seinen Kunden. Auch Zahnärzte und Dentallabore, Nachlass- und Insolvenzverwalter, Juweliere und Goldschmiede veräußern gesammeltes Edelmetall an ihn. Zwei Mitarbeiter Marins prüfen das zum Verkauf angebotene Gold in Form von Schmuck, Zahngold oder Münzen auf Echtheit, Feingoldgehalt und Gewicht. Dazu benötigen sie drei Hilfsmittel: Die Goldwaage – Sie ist auf zwei Stellen nach dem Komma geeicht. „Jeder Goldankäufer muss seine Wage alle zwei Jahre vom Eichamt überprüfen und einstellen lassen. Wir geben unsere Waagen jedes Jahr zum Eichamt, weil sie pro Jahr rund 60 000-mal zum Einsatz kommen“, erklärt Hans-Joachim Marin.

Der Säureschnelltest

Er beruht auf der Erkenntnis, dass das Edelmetall Gold von Säuren nicht zersetzt wird. Je weniger Gold ein Schmuckstück enthält, umso stärker wird es durch Säuren angegriffen. Beim Säureschnelltest wird ein Schmuckstück über eine Schiefertafel gerieben, bis ein deutlicher Strich zu erkennen ist. Der Abrieb wird mit Salpetersäure oder mit einer Mischung aus Salpeter- und Salzsäure betupft. Bleibt der Strich bestehen, handelt es sich um Gold. Verschwindet der Strich, besteht das Material aus einer anderen Legierung. Das Schnelltest-Set des Goldankäufers enthält Säuren in unterschiedlicher Konzentration, mit denen sich die üblichen Feingoldgehalte wie 333, 585 und 750 bestimmen lassen.

Das Spektralanalysegerät

Das ist eine Art Röntgengerät, mit dem der Anteil an bestimmten Metallen wie Gold, Silber oder Palladium ermittelt werden kann. Das Gerät setzt der Goldankäufer ein, um den Goldanteil von Zahngold, von Münzen oder von anderen Gegenständen zu ermitteln.

Dem Stempel glauben?

Auf den Arbeitstischen liegen auch Lupen bereit, mit denen die Mitarbeiter die Stempel von Schmuckstücken begutachten. Der Stempel gibt den Feingoldgehalt an. So weist eine eingestempelte 585 darauf hin, dass 58,5 % des Schmuckstücks aus reinem Gold bestehen. Allerdings traut der Goldhändler nicht jedem Stempel. „Gerade auf Urlaubsreisen kaufen Touristen oftmals Gold mit falschen Stempeln. Daher rate ich dringend davon ab, auf der Straße Schmuckstück aus Gold zu kaufen“, so der Händler. Er berichtet, dass auch die Polizei, der Zoll und die Staatsanwaltschaft aus der Region gelegentlich seine Dienste nutzen, um die Echtheit von Schmuckstücken zu prüfen. Auf Marins Internetseite sind Fotos von sogenanntem Autobahngold zu sehen. Das sind Schmuckstücke, meist aus Messing, die gutgläubigen Menschen auf Rastplätzen oder an Tankstellen als Schnäppchen angepriesen werden. Mitunter wird so einSchmuckstück auch im Tausch gegen Bargeld angeboten, weil der Schmuckbesitzer angeblich seine Geldbörse verloren hat und Geld zum Tanken benötigt. Auch von solchen Transaktionen rät der Goldhändler ab.

Mehrere Angebote einholen

Nicht nur beim Kauf, sondern auch beim Verkauf sollten Kunden kritisch sein. Hans-Joachim Marin rät, kostenlose Angebote von verschiedenen Goldankäufern einzuholen. Hat man beispielsweise mehrere Schmuckstücke, Zahngold und Münzen zu verkaufen, sollte das Angebot eines Goldankäufers besagen, welche Mengen in welchen Legierungen bei der Echtheits- prüfung ermittelt wurden und welche Preise dafür angeboten werden. „Fangen Sie ruhig mit dem Juwelier vor Ort an. Doch sichern Sie die genannten Ergebnisse und die Preise durch Vergleichsangebote ab“, erklärt der Händler. Verbrauchermagazine warnen davor, wertvollen Schmuck an Händler zu schicken, deren Vertrauenswürdigkeit sich nicht überprüfen lässt. Sie raten dazu, vor dem Verkauf wertvollen Schmucks einen öffentlich bestellten und vereidigten Schmucksachverständigen zu konsultieren, der die Stücke auf ihren Wert prüft. Im Branchenverzeichnis sind solche Sachverständige aufgeführt. Auch Juweliere kennen oftmals Gutachter. Im Internet findet sich ein bundesweites Sachverständigenverzeichnis beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag unter www.svv.ihk.de.

Gold wird zu Granulat

Ausgehend vom weltweiten Tagespreis für Gold (siehe Kasten „Was ist Gold wert?“) errechnet jeder Goldhändler seinen Ankaufspreis für die verschiedenen Edelmetall-Legierungen. Am Donnerstag vergangener Woche, dem 1. Juli, lag der Durchschnittspreis für eine Feinunze reinen Golds (31,1 g) bei 961 €. Das entspricht 31 € pro g Gold. Im Internet lag der Goldankaufpreis bei verschiedenen Händlern an diesem Tag zwischen 19 € und 24 € für 1 g 750er-Gold. Für 1 g 333er-Gold wurden Preise zwischen 8,60 € und 9,80 € geboten. Welchen Ankaufspreis ein Händler zahlt, hängt nicht nur von seiner angepeilten Gewinnspanne ab, sondern auch dem Erlös, den er selbst durch den Verkauf des Altgoldes erzielt. „Ich bringe das Gold zu einer Scheideanstalt, lasse es schmelzen und zu Granulat weiterverarbeiten. Das verkaufe ich an eine Bank. Goldgranulat ist eine Zwischenform von der Gewinnung aus Altgold auf dem Weg zur Barrenherstellung. Da ich große Mengen Altgold sammle, sind die Scheidekosten entsprechend günstig. Und das Geschäft mit der Bank funktioniert auch nur, wenn die Margen ausreichend groß sind“, beschreibt Goldhändler Hans-Joachim Marin den Weg seines Goldes.Nur selten verspürt der Geschäftsmann den Impuls, eine Kette oder ein Armband vor dem Schmelzofen zu retten. „Ich sehe wohl zu viel Gold“, gibt Hans-Joachim Marin zu. Dennoch lässt ihn das Gold nicht völlig kalt. In seinem Tresor liegen einige blankpolierte Schmuckstücke und edle Münzen, die er Journalisten gern präsentiert. Und für schlechte Zeiten hat sich Marin einen Vorrat an Gold zurückgelegt. Doch darüber mag er nicht weiter sprechen. Er wiegt bedächtig den Kopf und lächelt verbindlich. Mal sehen, wie der Goldpreis morgen steht. (Brigitte Laarmann)

Krügerrand, Philharmoniker, Maple Leaf

Sammler und Liebhaber legen Geld in Goldmünzen und Barren an. Zu den klassischen Anlagemünzen zählt beispielsweise der in Südafrika geprägte Krügerrand. Die nach dem südafrikanischen Politiker Paul Kruger und der Landeswährung Rand benannten Münzen sind in unterschiedlichen Größen und Gewichten zwischen 3,4 g und 34 g erhältlich. Begehrt bei Münzkennern sind auch die österreichischen Münzen mit dem Namen Wiener Philharmoniker. Die größte Goldmünze der Welt, eine Münze namens Maple Leaf, wiegt 100 kg und hat einen Feingoldgehalt von 99,999 %. Die kanadische Münzprägeanstalt Royal Canadian Mint gab anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens fünf Exemplare der gigantischen Münzen heraus und landete damit im Guiness-Buch der Rekorde. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Sammler-Goldmünzen, die zu bestimmten Anlässen herausgegeben werden. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hat beispielsweise der Weltfußballverband FIFA eine limitierte Reihe von Goldmünzen herausgegeben.

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